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Wenn Du mich lässt…

Deine Augen voller Tränen, Verzweiflung in Deinem Gesicht,
händeringend suchst Du nach Worten und findest sie nicht.
So sehe ich Dich noch immer vor mir stehen.
Als ich ging, sah ich jedoch nicht Dein Flehen.
Langsam heilen die Wunden nur, das Salz Deiner Tränen reizen sie nur,
wie ein Baum, der noch tropft, wenn es längst nicht mehr regnet,
ist Deine Seele mir heute Nacht im Traum begegnet.

Balsam für Deine Wunden sollen diese Zeilen sein,
seit ich weiß, wie viel ich dazu beigetragen habe zu Deiner Pein.
Dich weinen sehen, tat auch mir weh.
Aber Du warst Dir sicher, dass ich geh‘.
Viele Worte kannst Du nach alle dem von mir nicht ertragen,
aber die wenigen lass auf Dich wirken und dann mich alles fragen.
Wenn Du mich lässt, will ich versuchen, etwas gut zu machen,
und aus den Fehlern lernen und darüber wachen,
dass die einzige Chance, die ich von Dir vielleicht kriege,
ich dafür nutze, dass die Liebe zu Dir über alles siege.
Verzeihe, was geschehen ist
und öffne Dich wieder langsam für mich.


Verzeihen mit dem Herzen

Verzeih, das sagt sich so leicht daher,
aber mit dem Herzen verzeiht’s sich’s oft schwer.
Worte brauchen Taten,
damit aufgehen die Saaten,
die gemeint sind mit dem Verzeihen,
damit nicht Gleiches sich aneinanderreihen.
Drum meine es ernst, was Du versprichst,
dann erscheint es im rechten Licht.


Der Marienkäfer, der den Weg nicht nach Hause fand…

Der kleine Marienkäfer zählte 5 schwarze Punkte auf seinem roten Rücken. Stolz präsentierte er sich im Sonnenschein, drehte sich hin und her. Die kleinen Tiere im Wald bewunderten ihn. Die Ameisen waren gern in seiner Nähe, weil der kleine Marienkäfer überall dort war, wo es was zu futtern gab. Auch die Hummeln und Bienen, Schmetterlinge und Libellen gesellten sich gerne auf eine Blume in seiner Nähe. Der Marienkäfer konnte so tolle Geschichten erzählen.
Einmal sei er mit den Füßen durch eine Pfütze marschiert, als ein Zapfen von einer Kiefer fiel und direkt neben ihm landete. Beinahe hätte sie ihn getroffen, dann wäre er tot gewesen. Aber so wäre er beinahe durch die großen Spritzer ertrunken. Er musste nach Luft schnappen, als er aus dem Wasser wieder rauskam. Keuchend und tropfnass kroch er aus der Pfütze, schüttelte sich und legte sich zum Trocknen ins Gras. Er schlief sofort ein und träumte von bunten Seifenblasen, die rechts und links an ihm vorbeizogen und über ihm tanzten. Wieder aufgewacht, war aller Schrecken vergessen und das nächste Abenteuer konnte er gar nicht schnell genug erwarten.


Ein anderes Mal, so erzählte er, flöge er vergnügt durch eine Frühlingswiese. Der Tau saß auf den Grashalmen und lud ein zum Trinken. Jedes Mal, wenn er im Flug einen Grashalm berührte, rollten die Tropfen am Grashalm hinunter und verschwanden in der Erde. Dieses Spiel konnte er endlos treiben. Dabei übersah er ein Netz, das eine Spinne zwischen den Gräsern gezogen hatte. Er prallte mit seinem Kopf gegen einen dieser Fäden. Ganz benommen blieb er in dem Netz kleben. Da kam auch noch ein Spatz vorbeigeflogen. So mitten in diesem Netz gab er eine perfekte Mahlzeit für den Spatz ab. Deshalb schrie der kleine Marienkäfer laut um sein Leben. Hilfe, Hilfe, ich komme hier nicht mehr raus! Kann mir jemand helfen? Der Spatz landete auf einem Ast darüber und sah sich alles aus der Vogelperspektive an. Er hatte gerade einen Wurm verdrückt und hatte nicht wirklich Hunger. Deshalb beschloss er, dem kleinen Käfer zu helfen und ihn aus seiner misslichen Lage zu befreien. Ganz sacht packte der Spatz mit seinem Schnabel den Käfer bei seinem Panzer und zog ihn weg vom Netz.


Es machte blubb und beide landeten auf dem Waldboden. Der Käfer war heilfroh, dies überstanden zu haben und bedankte sich bei dem Spatz., dass er ihm das Leben gerettet hat. So war der Marienkäfer schon zwei Mal aus höchster Gefahr gerettet worden.

Heute war er nun im Wald unterwegs, munter und zufrieden. Ein bisschen Abenteuer konnte nicht schaden. Plötzlich schwebte er vor einem großen bunten Rucksack, gerade einladend zum Erkunden, dachte er sich. Den Jungs, den dieser Rucksack gehörte, machten sich gerade im Fluss beim Baden zu schaffen. Also konnte die Entdeckungsreise beginnen, am Reißverschluss entlang nach oben, drüben wieder nach unten und irgendwo war ein kleiner Spalt. Hier war der Eingang in eine Welt, die der kleine Käfer noch nicht kannte.


Schnell war er durch die kleine Öffnung gekrabbelt. Dunkelheit umgab ihn. Er hörte nichts mehr und sah nichts mehr. Also musste er sich auf seinen Tastsinn verlassen und so sich vorwärts bewegen. Es ging weiter und weiter tief ins Dunkel. Alles, was er fühlte, war hart oder kalt. Das gefiel ihm überhaupt nicht. Nach ein paar Versuchen, etwas Essbares zu finden, gab er auf und wollte wieder zurück in seine grüne nasse Wiese. Aber wohin er auch lief, nirgends schaute ihm Licht entgegen. Er war gefangen in der Dunkelheit. Zu allem Überfluss kamen auch die Jungs vom Baden zurück Aber keiner öffnete den Rucksack, im Gegenteil, sie stopften ihre nassen Badesachen einfach hinein. Es gab kein Entrinnen.


Mit Rütteln und Schütteln ging es weiter. Die Jungs fuhren auf ihren Fahrrädern nach Hause. Aber zu Hause stellten sie den Rucksack einfach ab und gingen weg. Was nun? Der kleine Marienkäfer sah nichts, hörte nichts und bekam langsam Hunger. Er hatte Angst, musste er jetzt sterben?
Als er schon halb ohnmächtig auf dem Boden im Rucksack lag, bewegte sich etwas. Jetzt naht Rettung! Licht! Endlich Licht!Die Mutter der beiden Jungs räumte den Rucksack aus. Da purzelte der kleine Marienkäfer mit heraus.
Oh, ein kleiner Marienkäfer, wo kommt der denn her? Vorsichtig hielt sie ihm ihre Hand entgegen. Das nutzte der kleine Käfer und krabbelte auf die große Hand. Die Mama brachte ihn hinaus in den Garten.
Das war knapp, dachte der Marienkäfer und flog davon, aber wohin, fragte er sich. Wo war sein Wald, sein Zuhause? Hier standen Häuser, wo war sein Wald? Er versuchte es in alle vier Himmelsrichtungen, aber nirgends fand er seinen Wald, seine Wiese. Traurig und erschöpft lies er sich auf einen Stein am Straßenrand nieder. Das sah ein Schmetterling und flog zu ihm hin und fragte, wie es ihm geht, er sieht so müde aus und seine Flügel hängen herab, wie dürres Laub.
Der Marienkäfer erzählte ihm seine Geschichte und klagte ihm sein Leid. Er wisse nicht mehr, wo sein Zuhause ist.
Der Schmetterling hörte sich alles genau an und hatte eine Idee.
„Komm mit, ich weiß Rat.“
Die kleinen Äuglein des Käfers fielen schon fast zu, aber was er hörte machte ihm Mut.
„Da drüben ist ein Springbrunnen, bis dahin schaffst Du es bestimmt. ch fliege vor Dir her, dann hast Du keinen Gegenwind.“
Es war nicht weit bis zum erfrischenden Wasser. Beide, der Schmetterling und der Käfer tranken sich satt. Nun sah die Welt schon ganz anders aus.
Nun fragte der Schmetterling den Käfer über sein Zuhause aus. „Wie sieht es bei Dir aus? Was gibt es für Pflanzen, Bäume, Wasser…?“
Aus vollem Herzen erzählte der Käfer über seine Heimat, den Bach, die Wiese, die am Morgen voller Tau ist und ein großer Fels steht am Waldrand.
Da wusste der Schmetterling Bescheid.
„Ich weiß, wo das ist, flieg mir nach, ich finde Dein Zuhause schon.“
Beide flogen davon und mit ein paar Umwegen landete der Schmetterling auf dem Fels.
„Ist das der Fels?“ rief er dem Käfer zu, der noch im Anflug war.
„Lass mich erst mal landen und Luft holen, ich kann nicht mehr.“ stöhnte der kleine Marienkäfer.
Dann saß der kleine Käfer da und konnte sein Glück nicht fassen. Vor lauter Freude kullerten Tränen über seine kleinen Äuglein.
„Ja, das ist mein Zuhause, der Bach, den kenne ich und von dem großen Baum da drüben singt jeden Morgen die Nachtigall ihr Lied.
Danke, danke, danke, dass Du mich nachhause gebracht hast, lieber Schmetterling.“
Von diesem Tag an waren sie Freunde fürs Leben.
Fortan flogen sie sehr oft gemeinsam voller Freude durch die Luft.


Fischlein, Fischlein

Fischlein, Fischlein auf dem Grund,
mach Dein Maul ganz groß und rund.
Den Köder vor dir brauchst du einfach nur fressen
und dann mit dem Angler deine Kräfte messen.
Bist du dann stärker als er,
hat der Angler keinen Fisch, keinen Köder
und keinen Haken mehr.
Zweite Chance, zweites Glück,
Fischlein komm noch mal zurück.
Neuer Köder beiß‘ einfach zu,
dann gibt der Angler endlich Ruh‘.
Zieht und zieht, doch im letzten Augenblick,
reißt die Schnur und du hast wieder Glück.
Zwei Köder gefressen, zwei Haken auch,
sie finden Ruhe in deinem Bauch.
Doch der Angler lässt das Angeln nicht
und weiß, dass er dich irgendwann erwischt.
Dann landest du in seinem Bauch,
das ist bei Anglern eben Brauch.